Irgendwann ist es bei jedem von uns so weit. Wir entdecken unsere Neigung, spüren, dass uns Vanilla-Sex allein nicht glücklich macht, dass da noch etwas anderes ist. Vielleicht verdrängen wir zunächst oder verschlingen Internet-Foren. Was wir auch tun, wir können es nicht mehr rückgängig machen. Ist normalerweise kein Problem. Es ist toll, wenn man etwas von sich selbst entdeckt, was einem zudem so viel Zufriedenheit und Erfüllung geben kann. Der Reiz des Neuen lockt und man möchte es am besten noch gestern selbst ausprobieren.

Solange man noch ledig ist, ist das alles meist unproblematisch. Dank des Internets gibt es unzählige Möglichkeiten, Kontakt mit der Szene aufzunehmen. Subs und Doms kennenzulernen und sich langsam an das Thema heranzutasten. Problematisch kann es werden, wenn man bereits verheiratet ist oder in einer festen Partnerschaft lebt. Es tun sich unzählige Fragen auf. Soll ich es meinem Partner erzählen? Fühlt er vielleicht ähnlich wie ich und traut sich nur nicht, mit mir darüber zu reden? Was, wenn er damit nichts anfangen kann? Schnell kann das Thema sogar zu einer Zerreißprobe in der Partnerschaft werden. Dann nämlich, wenn der Parner nicht so reagiert, wie man es sich wünscht. Vielleicht verheimlicht man es auch lieber. Aber was dann? Die Neigung ignorieren und unterdrücken? Das macht krank auf Dauer.

In diesem Artikel werde ich viele der aufgeworfenen Fragen beantworten. Ich stütze mich dabei auf die Erfahrungsberichte zahlreicher Doms und Subs aus meinem Bekanntenkreis, auf eigene Erfahrungen und auf unzählige Antworten aus BDSM-Foren zu diesem Thema. Natürlich kann dies nur eine Hilfestellung sein und das Thema niemals allumfassend behandeln. Für weitere Vorschläge oder Erfahrungsberichte bin ich sehr dankbar.

Soll ich meinem Partner von meiner Neigung erzählen?

Diese Frage steht wohl an erster Stelle, wenn jemand seine devote, masochistische, dominante oder sadistische Neigung entdeckt. In den BDSM-Foren besteht ein allgemeiner Trend zum Reden und auch ich bin der Meinung, dass viele Probleme und Missverständnisse sich durch Reden vermeiden lassen. Wann immer möglich, solltest du also mit deinem Partner über deine neu entdeckte Neigung reden. Erzähl ihm, wie du mit BDSM in Berührung gekommen bist und was es für dich bedeutet. Berichte ihm von deinen Wünschen und Träumen und schau mal, wie er reagiert.

Vielleicht ist er/sie ja total glücklich, dass du dich ihm/ihr anvertraust. Vielleicht sogar erleichtert weil er/sie ähnliche Gefühle hat, aber nicht den Mut zum Reden aufgebracht hat. Das wäre natürlich der Idealfall, ist aber nicht allzu wahrscheinlich. Meistens ist es eher so, dass der Partner mit BDSM nichts anfangen kann. Dann gilt es zu klären, ob er/sie es sich vorstellen kann, vereinzelte Praktiken einmal auszuprobieren. Einfache Fesselspiele, Augen verbinden, sanfte Schläge auf den Hintern könnten am Anfang stehen, um die eigene Neigung auszutesten. Gefällt es ihm/ihr? Perfekt. Tastet euch heran an das Thema, probiert verschiedene Dinge aus, vielleicht funktioniert es ja. Aber auch das ist nicht allzu häufig der Fall.

Mein Partner kann mit BDSM nichts anfangen

Meistens ist es so, dass der Ehe-/Lebenspartner mit BDSM nichts anfangen kann und es auch nicht ausprobieren möchte. Vielleicht fühlt er/sie sich sogar davon abgestoßen. Was nun? Du hast mehrere Möglichkeiten. Du könntest beschließen, dass dir die Liebe zu deinem Partner/deiner Partnerin so wichtig ist, dass du auf das Ausleben deiner neu entdeckten Neigung verzichtest. Manchen gelingt das sogar, die meisten sind langfristig damit aber nicht glücklich. Unterdrückte Bedürfnisse nagen an einem und machen auf Dauer krank.

Auch hier kann Reden eine Lösung sein. Sprich mit deinem Partner/deiner Partnerin über Alternativen. Du könntest vorschlagen, deine Bedürfnisse online auszuleben und zusammen mit ihm/ihr festlegen, wie weit du dabei gehen darfst. Also ob du dich z.B. nackt vor einer Webcam zeigen darfst, ob dein Gegenüber dein Gesicht sehen darf, deine Stimme hören darf usw. Ich kenne etliche Doms und Subs, die in genau so einer Konstellation leben und damit zufrieden sind. Vielleicht stimmt dein Partner/deine Partnerin ja sogar einer realen Spielbeziehung mit einem Dom/einer Sub zu. All das erfährst du nur, wenn du mit ihm/ihr redest.

BDSM-Neigung heimlich ausleben

Kannst du mit deinem Partner/deiner Partnerin nicht offen reden oder ist sie gegen eine Spielbeziehung (real oder online), dann stellt sich die Frage, ob du deine Neigung heimlich ausleben willst. Ob du das tun solltest oder nicht kannst du nur für dich allein beantworten. Du musst es schließlich auch moralisch vor dir selbst vertreten. Zudem besteht die Gefahr, dass aus der heimlichen Spielbeziehung plötzlich mehr wird. Dass ihr euch ineinander verliebt und du immer mehr möchtest. Das könnte letztendlich dann deine Ehe/Lebensgemeinschaft zerstören. Wenn dein Partner von der heimlichen Spielbeziehung erfährt, ist deine Ehe/Lebensgemeinschaft höchst wahrscheinlich auch vorbei. Ob du das Risiko eingehen und mit den Gefühlen deines Partners/deiner Partnerin spielen willst, solltest du dir gut überlegen. Tatsächlich kenne ich unzählige BDSMer real und online, die genau diesen Weg gehen und das schon seit vielen Jahren.

Die Alternative wäre, sich konsequent vom Partner/von der Partnerin zu trennen und sich nur noch mit Doms oder Subs einzulassen. Das wäre ehrlich, ist aber nicht so einfach, wenn man eine glückliche Ehe oder Partnerschaft führt.

Im Grunde stehen Menschen, die sich plötzlich ihrer BDSM-Neigung bewusst werden vor demselben Problem wie verheiratete Männer, die merken, dass sie schwul sind oder verheiratete Frauen, die entdecken, dass sie eigentlich lesbisch sind.

Eine absolute allgemeingültige Antwort auf die Frage, was zu tun ist, kann es nicht geben. Letzendlich musst du selbst entscheiden, mit welcher der genannten Lösungen du am ehesten leben kannst. Wo liegen deine Prioritäten? Ist es die Ehe, dann kannst du es mit Reden versuchen. Kann dein Partner/deine Partnerin nichts mit BDSM anfangen, kannst du eine Spielbeziehung vorschlagen. Will er/sie das nicht, bleibt dir nur, zu verzichten oder es heimlich auszuleben. Ist dir deine Neigung wichtiger als deine Ehe, dann könnte die Lösung für dich sein, die Ehe zu beenden und sich langfristig einen passenden Dom/eine passende Sub zu suchen.

Entscheiden musst du selbst. Ein paar Denkanstöße hast du in diesem Artikel bekommen.