1. Einleitung

Ein vieldiskutiertes Thema, das ich in diesem Beitrag von mehreren Seiten beleuchten werde.

Immer wieder taucht in Foren diese oder eine ähnliche Frage auf. Eingestellt von unsicheren Subs, die sich fragen, ob es ihnen zusteht, Wünsche zu äußern. Von unzufriedenen Subs, deren Doms ihnen Wünsche untersagen. Oder von Subs, die damit gar nichts anfangen können, wenn ihr Dom sich ihre Wünsche anhört. Aber auch von unsicheren Doms, die befürchten, ihre Autorität zu verlieren, wenn sie Sub das Äußern von Wünschen erlauben. Oder Doms, deren Sub geradezu penetrant das Erfüllen ihrer Wünsche einfordert.

Dieser Artikel betrachtet das Thema Subs und ihre Wünsche aus unterschiedlichen Perspektiven und kann dazu beitragen, Unsicherheiten abzubauen. Neue Denkanstöße und Übungen können bei der Meinungsbildung unterstützen. Subs finden Argumentationshilfen für die Kommunikation mit ihrem Dom und Informationen zum Schutz gegen Menschen, die nur vorgeben Dom zu sein. Basierend auf den Meinungen und Informationen aus zahlreichen Foren und Blogs zu diesem Thema, ergänzt durch meine eigenen langjährigen Erfahrungen als Sub.

Primär richtet sich dieser Beitrag an Subs und Doms, die gerade ihre ersten BDSM-Erfahrungen machen. Vermutlich werden aber auch die Erfahreneren unter euch den einen oder anderen Denkanstoß in diesem Artikel finden.

Natürlich freue ich mich über zahlreiche Kommentare. Schreibt mir, welche Probleme ihr in diesem Zusammenhang habt oder hattet. Welche Lösungswege seid ihr gegangen?

Man sollte meinen, dass man über dieses Thema nicht viel zu schreiben braucht. Schließlich beruht BDSM auf gegenseitigem Einvernehmen. Es soll beiden gefallen und dazu gehört, Wünsche äußern zu können. Leider leben wir nicht in einer perfekten Welt und die Praxis sieht oft ganz anders aus.

Ich benutze in diesem Artikel durchgehend die männliche Form für Dom und die weibliche Form für Sub, um den Text nicht zu unübersichtlich zu gestalten. Natürlich gilt das Geschriebene in gleichem Maße für weibliche Doms und männliche Subs.

2. Wünsche in einer BDSM-Beziehung

2.1 Wünsche versus Bedürfnisse

Zunächst gilt zu klären, was Wünsche sind und wie sie sich von Bedürfnissen unterscheiden.

Ein Bedürfnis ist etwas, das unbedingt erfüllt werden muss, damit der Mensch gesund bleibt. Bleibt ein Bedürfnis langfristig unerfüllt, wird man krank und unzufrieden. Ein verantwortungsvoller Dom wird daher die Bedürfnisse seiner Sub im Auge behalten und sie tut gut daran, sie ihm regelmäßig mitzuteilen. Dies kann z.B. das Bedürfnis nach Geborgenheit sein. Wenn ein Dom seiner Sub genau dies immer wieder verweigert, wird sie irgendwann frustriert wegrennen.

Ein Wunsch hingegen ist etwas, das man gerne möchte, aber nicht unbedingt braucht. Ein Wunsch kann erfüllt werden. So kann ich mir z.B. wünschen, einen Sechser im Lotto zu gewinnen oder einmal ein berühmter Popstar zu werden. Wäre dies ein Bedürfnis, hätte ich ein ernstes Problem, da ich weder sonderlich viel Glück im Spiel habe noch ein Gesangstalent bin.

Und daraus ergibt sich die erste Schwierigkeit. Sub bzw. Dom muss unterscheiden können zwischen einem Bedürfnis und einem Wunsch. Als Sub sollte ich nicht nur die Erlaubnis, sondern sogar die Pflicht haben, meine Bedürfnisse meinem Dom mitzuteilen. Das ist wichtig, um die Beziehung zu erhalten und damit beide entspannt und zufrieden sind. Die meisten Doms ermutigen ihre Sub dazu, Wünsche frei zu äußern. Sie wollen, dass es ihrer Sub gut geht und wenn sie sich gut benimmt, erfüllen sie ihr gerne auch mal den einen oder anderen Wunsch. Schließlich geht es ja nicht nur um Strafe, sondern auch um Belohnung, zumindest im D/s-Kontext.

Die Erfüllung des Wunsches liegt jedoch in der Hand des Doms. Sub kann darum bitten, muss aber abwarten, ob er ihr erfüllt wird. Hierzu ein Beispiel: Geborgenheit ist das Bedürfnis einer Sub x. Ihr Dom gibt ihr diese Geborgenheit aufgrund seines Wesens und Verhaltens. Würde er das nicht tun, wäre er der falsche Dom für diese Sub und sie würde auf Dauer sehr unglücklich bei ihm sein. Es würde nicht funktionieren.

Bedürfnisse sind meist etwas sehr Tiefgehendes. Tief in der Seele verwurzelt. Ein Wunsch ist oft oberflächlicher, greifbarer oder auch materieller Natur. So kann Sub sich von ihrem Dom ein neues Halsband wünschen. Sie teilt es ihm mit. Bekommt sie es, freut sie sich. Bekommt sie es nicht, ist sie vielleicht traurig, aber ihr Seelenheil hängt nicht davon ab.

2.2 Wünsche versus Forderungen

Bleiben wir bei dem Beispiel mit dem Halsband. Sub kann es sich (hoffentlich) von ihrem Dom wünschen. Aber ob er ihrem Wunsch nachkommt, bleibt allein ihm überlassen. Das sollte sie akzeptieren, wenn sie wirklich devot ist. Sie sollte ihren Wunsch nicht beim Dom einfordern, denn das würde der im gegenseitigen Einvernehmen eingenommenen Rollenverteilung widersprechen, nach der allein der Dom bestimmt, was passiert. Würde sie es einfordern und damit Erfolg haben, führt das meist dazu, dass beide unzufrieden sind. Sie, weil sie im Grunde spürt, dass sie ihn gelenkt hat, wenn er nachgibt (sofern sie eine echte Sub ist, dazu weiter unten mehr). Und er, weil er spürt, dass er ihr nicht hätte nachgeben sollen, dass er sich hat manipulieren lassen.

Vielleicht gibt er nach, weil er keine Lust mehr auf endlose Diskussionen mit seiner Sub hat. Vielleicht weiß er auch, dass sie im Grunde gar nicht gewinnen wollte, sondern ihn nur getestet hat. Und er lässt sie nun einfach auflaufen. Was auch immer die Gründe sind, dass Dom sie evtl. gewinnen lässt. Ein wirklicher Sieg ist es oft nicht.

Wünsche sind vollkommen in Ordnung und ein verantwortungsvoller Dom wird sie sich auch gerne anhören. Über die Erfüllung des Wunsches entscheidet allein der Dom. So der Konsens in verschiedenen BDSM-Foren.

2.3 Verantwortungslose Doms

Leider gibt es davon viel zu viele und sie sind nicht immer leicht zu erkennen. Ein Dom, der seiner Sub den Mund verbietet, sie nur zu seinem Vergnügen benutzt und dem ihre Wünsche und Bedürfnisse völlig egal sind, ist verantwortungslos und egoistisch. Was er betreibt, hat nichts mit BDSM zu tun und kann für Sub sehr gefährlich werden. Nur weil Dom draufsteht, heißt es noch lange nicht, dass auch Dom drin ist.

Hellhörig solltet ihr als Sub werden, wenn ihr mit dem Dom nicht reden könnt. Wenn er über eure Probleme und Bedürfnisse hinweggeht. Wenn er euch für etwas bestraft, wofür ihr gar nichts könnt (es sei denn, Strafe wird als Spiel eingesetzt). Und dabei vielleicht sogar eure Tabus missachtet. Bei solchen Doms werdet ihr wahrscheinlich keine Wünsche äußern dürfen. Aber eben auch keine Bedürfnisse! Finger weg. Nabelt euch so schnell es geht ab, sonst verliert ihr euch!

2.4 Tabulose Subs und Topping from the Bottom

Genauso schädlich sind tabulose Subs, die angeblich alles für ihren Dom tun. Jeder Mensch hat Tabus. Behauptet eine Sub, keine zu besitzen, steckt meist ein Fake dahinter. Solche Menschen sind häufig unehrlich und nicht aufrichtig. Und oft sind es Subs, die nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind, die keinen Dom suchen, sondern einen Wunscherfüller. Und genau da sind wir dann beim Topping from the Bottom. Wünsche werden nicht respektvoll geäußert, sondern massiv eingefordert. Mit allen Mitteln. Als Dom bloß Finger weg! Mit so einer Sub werdet ihr nicht glücklich.

2.5 Respektvoller Umgangston

Gehen wir im Folgenden von einer Beziehung zwischen einem verantwortungsvollen Dom und einer respektvollen Sub aus. Es bringt überhaupt nichts, Wünsche zu äußern, die wie eine massive Forderung oder ein Befehl klingen. Damit fangt ihr euch schlimmstenfalls eine Strafe ein, zumindest aber wird euer Dom nicht sehr erfreut sein. Und seine Bereitschaft, euch den Wunsch zu erfüllen, dürfte sehr gering sein.

Formuliert es lieber respektvoll und zurückhaltend, z.B. als sanft vorgetragene Bitte. Ohne eurem Gegenüber Vorschriften zu machen, wann und wie er dieser nachkommt. Das gilt übrigens nicht nur gegenüber Doms, sondern generell für zwischenmenschliche Kommunikation. Niemand lässt sich gern vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat (Subs mal ausgenommen).

2.6 Euer BDSM bestimmt ihr selbst

Was BDSM genau ist und wie es im Einzelnen ausgelebt wird, ist nirgendwo festgeschrieben. Es gibt keine allgemein gültigen Gesetze, keine Bibel mit den Geboten und Verboten im BDSM. Ihr und euer Partner allein bestimmt, was BDSM für euch bedeutet und wie ihr es auslebt. Alles, was beiden gefällt und niemand anderem schadet, ist erlaubt.

Wenn euer Partner euch also nicht erlaubt, Wünsche zu äußern und ihr damit sehr gut leben könnt, dann ist das vollkommen in Ordnung! Wenn ihr damit aber ein Problem habt, dann müsst ihr das kommunizieren. Dann habt ihr das Bedürfnis, Wünsche äußern zu dürfen 😉 Bloß nicht einfach runterschlucken und akzeptieren. Unterdrückte Bedürfnisse machen auf Dauer krank und führen zu einer unglücklichen Beziehung.

3. Praxistipps

Was könnt ihr also konkret tun?

3.1 Reden!

Eine Beziehung kann ohne Kommunikation nicht funktionieren. Reden ist das allerwichtigste, nicht nur in BDSM-Konstellationen, dort aber ganz besonders. Euer Dom ist kein Hellseher, eure Sub auch nicht. Niemand weiß, was in dem Kopf des anderen vor sich geht und ein Dom wird seiner Sub die Wünsche eher selten an den Augen ablesen können. Also wann immer ihr mit etwas ein Problem habt, wann immer euch etwas fehlt, redet mit eurem Partner. Flüchtet nicht in Foren und tretet dort eure Probleme breit. Telefoniert nicht stundenlang mit der besten Freundin, sondern redet direkt mit eurem Partner!

Sehr oft handelt es sich bei Problemen um Missverständnisse. Oder um andere Voraussetzungen, von denen der Gegenpart ausgeht. Und das kann man nur aus der Welt schaffen, indem man direkt miteinander redet. Telefonieren und in Foren schreiben könnt ihr hinterher immer noch. Ein verantwortungsvoller Dom wird immer gesprächsbereit sein, wenn seine Sub ein Problem anbringen will!

3.2 Wünsche äußern, aber nicht einfordern

Wie oben bereits erwähnt, solltet ihr jederzeit Wünsche äußern dürfen. Aber achtet darauf, wie ihr es tut. Seid höflich und respektvoll und überlasst es eurem Dom, wann und ob er den Wunsch erfüllt.

3.3 Beziehung kritisch hinterfragen

Sollte es euch nicht erlaubt sein, Wünsche äußern zu dürfen, prüft bitte, warum das so ist. Gefällt es euch so, wunderbar. Dann ist alles in Ordnung. Habt ihr damit aber ein Problem, dann müsst ihr das kommunizieren. Damit wären wir wieder bei Punkt 3.1: Reden!

Ist euer Dom nicht willens, euch zu Wort kommen zu lassen oder hört er euch nicht zu, dann solltet ihr eure Dom/sub-Beziehung sehr genau hinterfragen. Tut euch dieser Dom wirklich gut? Respektiert er euch als Mensch? Aus welchem Grund seid ihr bei ihm? Ist die Bilanz negativ, zieht rechtzeitig die Notbremse, trennt euch! Ein Dom, der dauerhaft eure Bedürfnisse unterdrückt, macht krank. Und Wünsche zu äußern IST für die meisten Subs ein Bedürfnis.

3.4 Eigenes Selbstwertgefühl stärken

Eine Sub ist genauso ein wertvoller Mensch wie ein Dom. Lasst euch nichts anderes einreden! Ein Dom, der euch ständig niedermacht und euch jegliches Selbstwertgefühl zu nehmen versucht, ist gefährlich. Ein verantwortungsvoller Dom wird im Gegenteil bestrebt sein, das Selbstwertgefühl seiner Sub zu stärken. Und das solltet ihr selbst auch tun.

Jeder Mensch ist es wert, auf der Welt zu sein. Und jeder Mensch ist gleich viel wert. Wer sind wir, um über den Wert anderer zu urteilen? Wenn es euch immer wieder passiert, dass ihr an die falschen Doms geratet, dann holt euch Hilfe. Zuerst einmal müsst ihr euch selbst respektieren lernen, bevor ihr das bei anderen tun könnt. Es ist keine Schande, zu einem Psychotherapeuten zu gehen und zu lernen, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Wenn das gelingt, dann werdet ihr Doms kritischer prüfen und nicht mehr so leicht in die Falle von Möchtegern-Doms tappen. Und letzten Endes endlich das finden, wonach ihr euch sehnt.

3.5 Topping from the Bottom unterbinden

Wenn ihr als Dom an eine Sub geraten seid, die systematisch toppt, dann überlegt euch, wie ihr das konsequent unterbinden könnt. Eine Möglichkeit besteht darin, sie vor die Wand laufen zu lassen. Gebt ihr, was sie zu erreichen versucht, aber tut ihr nicht den Gefallen, sie zu bespielen.

Ein Beispiel:
Eure Sub fordert den ganzen Abend schon, ihr einen Orgasmus zu erlauben. Eigentlich wollt ihr den Wunsch gern erfüllen, ihr seid aber gleichzeitig genervt, weil sie so respektlos ist. Lasst euch nicht auf eine Diskussion ein. Wenn ihr jetzt anfangt, den Dom herauszukehren und sie zurecht weist, sie auffordert, den Mund zu halten, bekommt sie, was sie erreichen will. Oft geht es dabei gar nicht um den Orgasmus, sondern darum, den Dom dazu zu bringen, dominantes Verhalten zu zeigen. Gebt ihr, was sie fordert, erlaubt ihr einen Orgasmus. Aber tut es möglichst undommig. Sie wird damit sehr unglücklich sein. Weil sie zwar erreicht hat, was sie gefordert hat, aber nicht das, was sie eigentlich erreichen wollte.

Kommt so ein Verhalten öfter vor, gilt auch hier Punkt 3.1: Reden! Sprecht mit ihr. Fragt sie, warum sie so handelt. Vielleicht ist es Sub gar nicht bewusst. Lässt sich das Topping nicht abstellen, stellt sich auch hier die Überlegung, ob es nicht heilsamer ist, sich zu trennen. Ständiges toppen von Sub kann für Dom extrem anstrengend und schädlich sein.

3.6 Eigene Grenzen erkunden

Wenn man seine eigenen Grenzen nicht kennt, kann es passieren, dass man sich selbst überfordert. Oft wünscht man sich Dinge, mit denen man gar nicht umgehen kann. Man schießt über das Ziel hinaus. Auf Domseite versucht man vielleicht, Sub Wünsche zu erfüllen, die eigentlich über die eigenen Grenzen hinausgehen. Unzufriedenheit und Enttäuschung sind dann vorprogrammiert.

Findet heraus, wo eure eigenen Grenzen sind. Fühlt euch in verschiedene Situationen ein, achtet darauf, welche Gefühle dabei auftauchen, wie ihr körperlich reagiert. Habt ihr mit etwas Bauchschmerzen, dann nehmt es ernst. Und geht nicht einfach drüber hinweg.

4. Gilt all das nur für Subs Wünsche?

Vieles von dem, was für Wünsche gilt, gilt auch für andere Bereiche im BDSM. Genauso kann man fragen »Darf Sub Reden« oder »Darf Sub Fragen stellen?« Die Antworten fallen ähnlich aus, wie zu der Frage nach den Wünschen.

Kommunikation und Reden gilt nicht nur für BDSM, sondern für jede Art von zwischenmenschlichem Miteinander. Es gibt diesen schönen Spruch: »Nur redenden Menschen kann geholfen werden.« Da ist sehr viel Wahres dran. Niemand kann Gedanken lesen, niemand weiß, was in dem Anderen vorgeht.

Und natürlich wollen wir Doms Wünsche nicht vergessen. Meist äußert er sie in Form von Befehlen und in weniger sanftem Ton. Aber auch ein Dom sollte die Möglichkeit haben, seine Wünsche bei der Sub anbringen zu können, ohne deren Erfüllung mit Gewalt durchsetzen zu müssen. Eine liebevolle Sub wird ihrem Herrn gern seinen Wunsch erfüllen.

5. Chancen und Gefahren

Wenn es einer Sub nicht erlaubt ist, ihre Wünsche zu äußern, führt dies unweigerlich zu Unzufriedenheit. Und zwar letztendlich auf beiden Seiten, denn eine unzufriedene Sub ist keine gute Sub. Stimmt die Kommunikation zwischen beiden nicht, kommt es immer wieder zu Missverständnissen und Auseinandersetzungen. Dies belastet die Beziehung und kann letztendlich zum Scheitern führen.

Wenn ihr euch die Praxistipps noch einmal durchlest, ist es gar nicht so schwierig, eure Partnerschaft zu stärken und auf den anderen einzugehen. Ihr lauft weniger Gefahr, einem Möchtegern-Dom in die Arme zu laufen oder euren vorhandenen Dom zu vergraulen. Als Dom wisst ihr nun, worauf es unter anderem ankommt, um eure Sub nicht zu frustrieren oder langfristig zu vertreiben.

6. Zusammenfassung

Darf Sub Wünsche äußern? Das war die Ausgangsfrage. Die Antwort? Ein eindeutiges JA. Sie sollte sogar. Nur so kann Dom dafür sorgen, dass es ihr gut geht und sich um sie kümmern. Einzige Ausnahme: Dom verbietet es und Sub ist damit vollends glücklich.

BDSM beruht auf gegenseitigem Einvernehmen. Sind sich beide bzgl. des Äußerns von Wünschen uneinig, lautet die goldene Regel: Reden! Nur so kann eine BDSM-Beziehung funktionieren, denn sie ist kein Ratespiel. Redet miteinander, seid ehrlich und offen zueinander und verstellt euch nicht. Dann findet ihr sicher eine Lösung.

7. Übungen

Um all das Gelesene zu festigen und mehr Klarheit über euch selbst und eure Bedürfnisse und Wünsche zu erlangen, habe ich euch ein paar Übungsaufgaben zusammengestellt. Ihr müsst nicht alle absolvieren, sucht euch einfach die Aufgaben heraus, die euch am besten gefallen. Und ich würde mich sehr über Kommentare freuen. Hat etwas besonders gut funktioniert? Oder hat euch eine Übung gar nicht gefallen? Schreibt es mir.

7.1 Eigene Handlungsmotivation überprüfen

Wenn ihr das nächste Mal eine Session mit eurem Partner abhaltet, achtet darauf, aus welchem Grund ihr agiert oder den Partner agieren lasst. Tut ihr es, weil es euch Freude bereitet und ihr es genießt, aus eigenem Antrieb heraus oder weil ihr denkt, dass euer Partner es von euch erwartet? Fragt euch das während des Spiels immer wieder. Achtet darauf, wie ihr euch wirklich fühlt. Damit gewinnt ihr mehr Klarheit und könnt gegebenenfalls nach der Session mit eurem Partner offener darüber reden.

7.2 Tagebuch schreiben

Reflektiert über eine erlebte Session oder das letzte Treffen mit eurem Partner in einem Tagebuch. Dort könnt ihr nichts falsch machen und niemand verurteilt euch dafür, was ihr da reinschreibt. Schreibt alles auf, was euch durch den Kopf geht, völlig ungeordnet und unzensiert. Stellt euch Fragen wie: Will ich das nochmal erleben? Hat mir was gefehlt? Wenn ja, was? Verbiege ich mich gerade? Wenn ja, warum? Will ich meinem Partner nicht wehtun? Denke ich, ein/e Dom/Sub muss so sein? Lernt euch selbst besser kennen.

7.3 Topping from the Bottom erkennen (für Doms)

Achtet bei der nächsten Session mit Sub verstärkt darauf, ob ihr von ihr manipuliert werdet. Ist das, was ihr mit Sub tut, wirklich das, was ihr tun wollt? Oder eher das, was Sub immer wieder einfordert? Tut ihr es, weil ihr Sub gefallen wollt und Angst habt, sie zu verlieren?

Ein devoter Mensch wird nicht glücklich damit sein, sich gegenüber Dom durchsetzen zu können. Ganz im Gegenteil. Also habt keine Angst, in einer Session das zu tun, wozu ihr Lust habt und was euch befriedigt. Natürlich im Rahmen der Tabus und Grenzen von Sub. Wenn es das ist, was Sub auch gefällt, umso besser. Wenn nicht, muss Sub da diesmal durch. Das ist euer Privileg als Dom. Und meist wird Sub damit glücklich und zufrieden sein.

7.4 Wünsche äußern (für Subs)

Macht euch eine Liste mit BDSM-bezogenen Wünschen. Sucht euch einen Wunsch aus der Liste aus. Wenn ihr das nächste Mal euren Partner trefft, tragt ihm diesen Wunsch vor (nur diesen einen!). Achtet darauf, dies respektvoll und höflich zu tun und auf keinen Fall Forderungen zu stellen. Und dann wartet ab, was passiert. Dadurch lernt ihr euren Partner besser kennen und wie er auf Wünsche reagiert. Wahrscheinlich werdet ihr überrascht sein, sollte es das erste Mal sein, dass ihr einen Wunsch äußert.

7.5 Bedürfnisse erkennen

Macht euch eine Liste mit euren Bedürfnissen. Das kann rein auf BDSM bezogen sein, aber auch darüber hinausgehen, wenn ihr möchtet. Geht die Liste anschließend nochmal durch und überlegt euch, welche der Bedürfnisse bereits erfüllt werden, an welchen ihr gerade arbeitet und wo noch ein Mangel besteht. Prüft, ob es sich wirklich um Bedürfnisse handelt oder eher um Wünsche. Erinnert euch: Auf Wünsche kann man verzichten, auf Bedürfnisse nicht.

Euch wird auf diese Weise klarer, wo ihr in eurer BDSM-Beziehung steht. Wie zufrieden ihr damit seid. Fehlt euch etwas Wichtiges, sprecht es an. Hört euch an, was euer Partner dazu zu sagen hat und ob er euch helfen kann, dieses Bedürfnis erfüllt zu bekommen.